Start Zukunft & Technik Senioren-, Pflegeheime unter Druck. KI hilft, Engpässe zu managen.

Senioren-, Pflegeheime unter Druck. KI hilft, Engpässe zu managen.

Warum werden digitale Technologien und KI-basierte Lösungen in der Pflege bislang so selten genutzt?

Experten diskutierten Thema „Künstliche Intelligenz in der Altenpflege“ im „Haus der Zukunft“ (Berlin)
Warum werden digitale Technologien & KI-basierte Lösungen in der Pflege bislang so selten genutzt? foto freepik

Warum werden digitale Technologien und KI-basierte Lösungen in der Pflege bisher so selten genutzt? Ist das eine reine Budgetfrage oder liegt es vielleicht an der unzureichenden digitalen Infrastruktur unserer Seniorenheime, Pflegeheime oder Seniorenresidenzen?

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Aktuelle Umfrage von Nobi AgeTech zeigt: Über 90 % der PflegerInnen möchte bereits digitale Technologien nutzen. Auch Sturzerkennung mit KI wird bereits eingesetzt. Ergebnis: 80 % mehr Stürze gemeldet.

Experten diskutierten das Thema „Rettet künstliche Intelligenz unsere Altenpflege?“ im Mai dieses Jahres im „Haus der Zukunft“ in Berlin.

Der Großteil aller Einrichtungen hat aktuell als technische Voraussetzung u.a. kein stabiles und zuverlässiges W-Lan in allen Räumen. Technische Mindestanforderungen sind auch nach Recherchen der Online-Redaktion von Barrierefrei-Magazin-Österreich häufig nicht gegeben. An dem mangelnden Interesse des Pflegepersonals liegt es jedenfalls nicht. So stehen bspw. in unserem Nachbarbundesland Deutschland, laut Umfrage aus März 2023, der Großteil dem Einsatz digitaler Systeme sehr positiv gegenüber. Mehr als 96 % der Befragten sind der Überzeugung, dass diese Hilfsmittel in Zukunft eine wichtige oder sogar sehr wichtige Rolle in ihrem Arbeitsalltag spielen werden. 94 % sind gerne bereit, diese Techniken in ihren Arbeitsalltag zu integrieren.

Digitale Technologie hilft Engpässe zu managen

Seniorenheime, Pflegeheime oder auch Seniorenresidenzen stehen unter hohem Erwartungsdruck, was die Qualität der Pflege und die Sicherheit der BewohnerInnen angeht. Gleichzeitig sind Personalmangel und hohe Fluktuation eine große Herausforderung für Management und Betreiber. Digitale Systeme, die sich nahtlos in den Alltag integrieren und sich mit existierenden Ruf- und Dokumentationssystemen verbinden lassen, können dazu beitragen, Personal zu entlasten und gleichzeitig die Pflegequalität zu steigern. Durch den gezielten Einsatz von digitalen Hilfsmitteln werden Personalkapazitäten eingespart, die an anderer Stelle für die menschliche Pflege besser eingesetzt werden können. Was langfristig noch wichtiger ist: Digitale Lösungen können helfen, die Zufriedenheit beim Pflegepersonal zu steigern und dadurch die Fluktuation zu reduzieren. Auch die pflegebedürftigen Menschen profitieren von der Entlastung ihrer BetreuerInnen durch digitale Hilfsmittel: Wenn die PflegerInnen mehr Zeit haben für die menschliche Zuwendung, steigt ihr Glückslevel und sie fühlen sie sich wohler in der Einrichtung.

Beispiel Sturzerkennung mit KI: 80 % mehr Stürze gemeldet

Ein Beispiel für die Unterstützung des Pflegepersonals durch KI-gesteuerte Technologie ist die smarte Leuchte zur Sturzerkennung und Sturzprävention des belgischen Startups Nobi. PflegerInnen leben ständig mit der Angst, dass einer der betreuten älteren Menschen unbemerkt stürzt und dann länger, ggf. verletzt, ohne Hilfe am Boden liegt. Deshalb werden Pflegezimmer ständig kontrolliert, auch in der Nacht. Ein großer Aufwand für das Personal und eine laufende Störung der Privatsphäre und der Nachtruhe für die BewohnerInnen.

Um herauszufinden, ob diese Kontrollfunktion von einer KI-gesteuerten Leuchte übernommen werden kann, wurde im August 2022 im belgischen Pflegeheim Gerstjens ein sechsmonatiger Pilotversuch gestartet. Das Ergebnis hat alle Beteiligten überrascht und gleichzeitig erschreckt: In den 20 mit Nobi-Leuchten ausgestatteten Zimmern wurden 62 Stürze erkannt. Damit wurden dort im Testzeitraum 80 % mehr Stürze festgestellt, als in der vergleichbaren Anzahl an Zimmern ohne das System.

Bewohner, die in der Lage sind, nach einem Sturz selbstständig aufzustehen, melden dies häufig nicht. Oft aus Scham oder weil sie nicht stören wollen. Den Betroffenen ist jedoch kaum bewusst, dass selbst kleine, scheinbar harmlose Vorfälle manchmal große Folgen haben können. „Ich habe heute ein großartiges Beispiel dafür gesehen, wie intelligente Technologie das Personal unterstützen und so die Qualität der Pflege verbessern kann. Technologie in der Pflege kann einen erheblichen Mehrwert schaffen“, sagte Hilde Crevits, flämische Ministerin für Wohlfahrt, Volksgesundheit und Familie, bei ihrem Besuch in Gerstjens.

Experten diskutierten Thema „Künstliche Intelligenz in der Altenpflege“ im „Haus der Zukunft“ (Berlin)

Viele Branchen profitieren von deutlichen Arbeitserleichterungen durch neue, digitale Lösungen und Tools. Warum werden diese Angebote in der Altenpflege bislang so wenig genutzt? Dieses Thema diskutieren Experten im Mai im „Haus der Zukunft“ in Berlin.

Dr. Kathrin Seibert vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen ist eine der profiliertesten deutschen Forscherinnen zum Thema „Digitalisierung und Pflege“. In den letzten Jahren forschte sie hauptsächlich im Bereich Pflegeprojekte und KI. Sie ist überzeugt, das digitale Hilfsmittel ein großes Potential in der Altenpflege haben.“Der Nutzen von Pflegetechnologie muss für Pflegebedürftige, Pflegepersonal und pflegende Angehörige in der Praxis spürbar sein“.

Anm.: Nobi ist ein europäisches Agetech-Unternehmen, entwickelt für Senioren-/Pflegeheime und Krankenhäuser intelligente Leuchten zur Sturzerkennung, Sturzprävention und Überwachung der Vitalparameter. Alle bereits mehrfach ausgezeichneten Leuchten werden ausschließlich in Europa gefertigt.

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