Start Zukunft & Technik Prognose bis 2050: Rund 70.000 neues Pflegepersonal

Prognose bis 2050: Rund 70.000 neues Pflegepersonal

+Effizienzsteigerung via Technikunterstützung: Ambient Assisted Living, Active Assisted Living (AAL, Digitalisierung, Assistenzsysteme)

Zukunfts-Chance: Effizienzsteigerung via Technikunterstützung. Ambient Assisted Living, Active Assisted Living (AAL, Digitalisierung, Assistenzsysteme)
Zukunfts-Chance Effizienzsteigerung via Technikunterstützung: Ambient Assisted Living, Active Assisted Living (AAL, Digitalisierung, Assistenzsysteme) | foto peoplecreations by freepik

Hintergrund

Bereits im Jahr 2019 führte die GÖG im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz eine Personalprognose für Gesundheits‐ und Krankenpflegeberufe auf Basis des Ist‐Standes 2017 durch. Dabei wurden als Gesamtsumme aus Zusatzbedarf und Ersatzbedarf mindestens 75.700 zusätzlich benötigte Personen in der Pflege im Zeitraum von 2017 bis 2030 prognostiziert. Diese Zahl wurde als Untergrenze definiert, da Fluktuationen durch Ausscheiden aus dem Beruf und bestehende Fehlbestände zahlenmäßig nicht erfasst werden und daher auch nicht in die Prognose einfließen konnten. Vor diesem Hintergrund und nach drei Jahren Pandemie wurde nun die Prognose überarbeitet und bis zum Jahr 2050 neu berechnet.

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Methode/Methoden

Ausgangslage für die Prognose ist der aktuelle Ist‐Stand in den relevanten Berufen. Für die Prognose relevant ist auch die Frage, ob Qualität und vor allem Quantität der derzeitigen Personalausstattung ausreichend sind oder ob bereits jetzt von einem aktuellen Fehlbestand auszugehen ist. Während der Ist-Stand mit den vorhandenen Datenquellen (Gesundheitsberuferegister, Krankenanstaltenstatistik, Pflegedienstleistungsstatistik) gut beschrieben werden kann, gibt es zum aktuellen Fehlbestand keine systematisch erfassten Daten.

Pflege & Zukunft Österreich: Bis 2050 benötigen wir rund 70.000 neues Pflegepersonal | Foto by Freepik

Folgende Fragestellungen werden mit der durchgeführten Prognose beantwortet:

Wie viel Pflegepersonal (DGKP, PFA und PA) wird in den Settings Krankenanstalten, Rehabilitationsrichtungen und Langzeitbereich bis 2050 im Vergleich zu 2021 benötigt, um den Versorgungsstand (gemessen am Anteil der im Jahr 2021 betreuten Personen nach Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung) aufrechterhalten zu können? Wie viel sonstiges Personal wird im Langzeitbereich benötigt, um den Versorgungsstand des Jahres 2021 (gemessen am Anteil der betreuten Personen nach Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung) bis zum Jahr 2050 aufrechterhalten zu können? Wie viele der jetzt in Krankenanstalten, Einrichtungen der stationären Pflege und in der mobilen Pflege beschäftigten Pflegepersonen (DGKP, PFA und PA) werden bis zum Jahr 2050 in Pension gehen und sind somit durch neues Personal zu ersetzen?

Ergebnisse

Um den Versorgungsstand des Jahres 2019 aufrechtzuerhalten, muss aufgrund der demografischen Entwicklung die Zahl der Pflegepersonen (DGKP, PFA, PA) in den Krankenanstalten und im Langzeitbereich insgesamt von 120.800 auf 143.200 im Jahr 2030, auf rund 163.500 im Jahr 2040 und auf 190.700 Pflegepersonen im Jahr 2050 ansteigen. Es bedarf daher rund 70.000 zusätzlicher Pflegepersonen.

Zusätzlich braucht es im Langzeitbereich noch zusätzliches Personal, wie zum Beispiel Alltagsbegleiter:innen, Heimhilfen oder MTD – diese müssen aufgrund der demografischen Entwicklung von rund 18.200 Personen auf 36.500 ansteigen, um die aktuelle Betreuungssituation aufrechterhalten zu können.

Gleichzeitig muss jenes Pflegepersonal, welches in Pension gehen wird, laufend nachbesetzt werden. Insgesamt sind dies bis zum Jahr 2030 rund 20.600 Pflegepersonen, bis zum Jahr 2040 werden 57.300 der aktuell beschäftigten Personen in Pension gehen und bis zum Jahr 2050 sind dies 92.100 Personen. Eine Schätzung zum sonstigen Betreuungspersonal ergibt einen Ersatzbedarf von rund 16.200 Personen. Dies bedeutet, dass, um die aktuelle Versorgungs‐ und Betreuungssituation aufrechterhalten zu können, bis zum Jahr 2030 rund 51.100 Pflege- und Betreuungspersonen nach‐ oder neubesetzt werden müssen, bis zum Jahr 2040 rund 119.900 Pflege- und Betreuungspersonen und bis zum Jahr 2050 rund 196.400 Pflege- und Betreuungspersonen. Betrachtet man den jährlichen Mehrbedarf an Pflege- und Betreuungspersonen, so wird sich dieser in den nächsten Jahren für den akutstationären Bereich und für den Langzeitbereich zumindest zwischen 5.000 und 6.600 Pflegepersonen (DGKP, PFA, PA) und durchschnittlich 1.200 Betreuungspersonen pro Jahr bewegen. Dabei sind – wie schon erwähnt – einerseits der Abgang von Pflege- und Betreuungspersonen aufgrund von Pensionierungen und andererseits der zusätzliche Bedarf aufgrund der demografischen Entwicklung bei gleichbleibender Inanspruchnahme berücksichtigt. Nicht mitberechnet sind Personen, die den Beruf verlassen, ohne das Pensionierungsalter erreicht zu haben, und ein erhöhter Bedarf aufgrund von Strukturänderungen. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind allfällige Fehlbestände im Jahr 2023. Somit handelt es sich bei diesen Zahlen um eine absolute Untergrenze.

Schlussfolgerungen

Dieser jährliche Mehrbedarf wird nicht alleine durch Absolvent:innen der Ausbildungseinrichtungen gedeckt werden können. Es bedarf weiterer Maßnahmen, wie Rekrutierung von Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern, Rekrutierung von Personal aus dem Ausland Maßnahmen zur Personalbindung, Effizienzsteigerungen im System, wie verbesserte Koordination von Abläufen, die Reduktion von Schnittstellen, moderne und funktionierende Arbeitsgeräte oder der richtige Personalmix. Ein weiterer Aspekt von Effizienzsteigerung ist Technikunterstützung (u. a. Ambient Assisted Living – AAL, Digitalisierung). Verstärkter Fokus auf Prävention und Gesundheitsförderung.